Ein Hauch von Herbst im Chalchgraben

30. Sep. 2025 | Daniel Lopez

Der Nachmittag begann im Chalchgraben. Noch immer sieht man deutlich, wo im vergangenen Winter Holz geschlagen wurde. Zwischen den Stämmen fällt jetzt Licht auf den Boden – Platz für die ausgewählten Zukunftsbäume. Ein Wald im Wandel, und doch mit seiner eigenen Ruhe.

Meine Runde führte mich über den Megalithweg. Wer ihn kennt, weiss: Hier begegnet man nicht nur alten Buchen und knorrigen Eichen, sondern auch mächtigen Findlingen, die der Rhonegletscher vor Tausenden von Jahren hierhergeschoben hat. Der pensionierte Arzt Benjamin Fässler hat viele dieser Steine erforscht und ihre Geheimnisse dokumentiert. Daraus entstand der Solothurner Megalithweg – ein Wanderweg, der Natur- und Kulturgeschichte verbindet.

Nach langen trüben Tagen war es ein Nachmittag voller Aufhellung – ein Vorgeschmack auf den Goldenen Oktober. Im Waldreservat Chalchgraben, das seit dem Jahr 2000 unter Schutz steht, spürt man besonders den Reiz des Wilden. Der Wald ist hier nicht makellos aufgeräumt, sondern darf auch ungezähmt wirken.

Doch der Wald verändert sich nicht nur durch natürliche Prozesse. Neben den markierten Wegen entstehen immer wieder Trampelpfade – Spuren, die Menschen beim Erkunden schlagen. Hinzu kommen Bike-Bauten wie kleine Schanzen oder Sprünge. Was harmlos aussieht, ist rechtlich klar geregelt: Laut Waldgesetz (WaG) sind Terrainveränderungen oder Bauten im Wald ohne Bewilligung grundsätzlich verboten. Nur mit Zustimmung des Waldbesitzers und behördlicher Genehmigung sind Ausnahmen möglich.

Begegnungen im Wald

Auch wenn an diesem Montagnachmittag nur wenige Menschen unterwegs waren, ergaben sich wertvolle Gespräche:

  • Mit einem älteren Herrn im Chalchgraben über Rangeraufgaben

  • Mit einer Radfahrerin, die den Dienst neutral zur Kenntnis nahm

  • Mit einer Spaziergängerin am Weierrain, die unsere Präsenz ausdrücklich begrüsste

  • Mit zwei Damen am Königsweiher, die sich sehr interessiert zeigten

  • Mit einem älteren Herrn, der sich für die Flora und Fauna des Weihers interessierte

Die Rückmeldungen waren meist neutral, oft aber positiv – und zeigen, dass der Rangerdienst bereits sichtbar ist.

Ein Hauch von Herbst

Neben Gesprächen und Beobachtungen lag ein besonderer Zauber in der Luft: Die obersten Blätter der Buchen leuchteten golden im Sonnenlicht. Ein leichter Wind bewegte die Kronen, während der Ruf des Eichelhähers, das Zwitschern der Tannenmeise und das Klopfen des Kleibers den Nachmittag begleiteten.

Der Chalchgraben bleibt ein Ort des Wilden, des Lernens und der Begegnungen. Und manchmal reicht ein Spaziergang, um zu spüren: Der Herbst ist da. 🍁