Gemeinsam für den Chalchgraben – Ein Rückblick aus Sicht des Forstbetriebs und der NaturRanger Solothurn

17. Nov. 2025 | Allgemein, Daniel Lopez

Gemeinsam für den Chalchgraben – Ein Rückblick aus Sicht des Forstbetriebs und der NaturRanger Solothurn

Der Chalchgraben ist für viele Solothurnerinnen und Solothurner ein vertrauter Ort: ein Wald, der seit über 25 Jahren sich selbst überlassen ist und in dem sich die Natur frei entfalten darf. Für uns im Forstbetrieb und im Rangerdienst ist er weit mehr als ein Naherholungsgebiet – er ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie ein Wald aussieht, wenn er Zeit bekommt, wieder wild zu werden.

Genau dieses Gleichgewicht geriet in den letzten Monaten ins Wanken. Immer mehr künstliche Bauten entstanden zwischen den Felsen und Wurzeln: Sprünge, Steilwandkurven, kleine Rampen. Ausdruck von Begeisterung für den Sport – aber im Waldreservat nicht erlaubt, weil dort jeder Eingriff in den Boden langfristige Spuren hinterlässt.

Was also tun? Verbote aussprechen? Konflikte verschärfen?
Oder den Weg des Dialogs wählen?

Wir entschieden uns für Letzteres.

Ein Arbeitstag, der Menschen zusammengebracht hat

Am Samstag trafen sich rund 25 Menschen im Chalchgraben – Väter, Mütter, Kinder, Mitglieder des Vorstands der IG Mountainbike Kanton Solothurn und Mitarbeitende des Forstbetriebs.

Was auffiel: Was oft als Spannungsfeld wahrgenommen wird, wurde an diesem Tag zu einem Team, das zusammen für den Wald gearbeitet hat.

Mit Hacken, Schaufeln und viel Motivation machten wir uns daran, über zwölf künstliche Bauten zurückzubauen. Viele davon waren sorgfältig gebaut – doch im Waldreservat bedeutet «sorgfältig» etwas anderes: Jeder Stein und jedes Stück Holz gehört hier eigentlich der Natur und ihrer eigenen Dynamik.

Während wir arbeiteten, entstanden Gespräche über den Wald, über Verantwortung, über Bedürfnisse und Grenzen. Für viele war es das erste Mal, dass sie einen Blick hinter die Kulissen des Waldschutzes werfen konnten – und gleichzeitig konnten wir als Forst und Ranger besser verstehen, was Mountainbiker antreibt und wo ihre Leidenschaft wurzelt.

Ein Tag der Zusammenarbeit – und des Lernens

Als einziger Ranger vor Ort war es mir wichtig, nicht nur anzupacken, sondern auch zu erklären: Warum gewisse Bereiche tabu sind, was ein Waldreservat ausmacht und weshalb gerade der Chalchgraben so wertvoll ist.

Besonders gefreut hat mich der Einsatz unseres Lernenden Mattia: Als Teil der Bikerszene kennt er die Faszination des Sports – und gerade deshalb war es wertvoll zu sehen, wie selbstverständlich er mitangepackt hat und beide Sichtweisen zusammenbringen konnte.

Dass die IG Mountainbike am Mittag das Essen für alle gesponsert hat, während der Forstbetrieb Werkzeuge, Material und den Platz zur Verfügung stellte, zeigt schön, was diesen Tag ausgemacht hat:
Geben und Nehmen – gemeinsam statt gegeneinander.

Die Suppe und Wienerli schmeckten nach einem halben Tag körperlicher Arbeit doppelt gut. Aber noch wichtiger als das Essen war die Stimmung: respektvoll, neugierig, offen.

Ein Zeichen zur richtigen Zeit

Dass dieser Einsatz genau in jene Woche fiel, in der das totalrevidierte Solothurner Waldgesetz verabschiedet wurde, war symbolisch. Das Gesetz anerkennt sowohl das Bedürfnis der Menschen nach Bewegung im Wald als auch den Schutzbedarf der Natur.

Velofahren auf bestehenden Wegen bleibt erlaubt – querfeldein nicht.
Ein Kompromiss, der Verantwortung verlangt.

Und genau das hat der Arbeitstag gezeigt:
Wenn Menschen Verantwortung übernehmen, lassen sich Lösungen finden. Nicht überall. Nicht sofort. Aber gemeinsam.

Wie es weitergeht

Der Rückbau im Chalchgraben ist ein Anfang.
Die IG Mountainbike und wir im Forstbetrieb wollen in den kommenden Jahren weiter zusammenarbeiten, um geeignetere und legale Orte zu finden, an denen Mountainbiker trainieren und ihrem Sport nachgehen können, ohne sensible Gebiete zu belasten.

Der Chalchgraben bleibt, was er sein soll: ein Märchenwald für kommende Generationen. Und der Arbeitstag hat gezeigt, dass dieses Ziel nicht im Widerspruch zur Biker-Community steht – im Gegenteil.

Ein Dank zum Schluss

Ein grosses Dankeschön an alle, die an diesem Tag mitangepackt haben – egal ob mit Hacke, Kinderhänden, Fachwissen oder Suppe.
Ihr habt gezeigt, wie Zusammenarbeit aussehen kann.

Und vielleicht noch wichtiger:
Ihr habt gezeigt, wie viel möglich wird, wenn die Natur nicht zum Streitpunkt, sondern zum gemeinsamen Anliegen wird.

Screenshot: SZ Artikel, 17.11.2025 / Christof Ramser / Bild: José R. Martinez