Ein erstes Jahr draussen
Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, dann denke ich nicht zuerst an Einsatzpläne oder Berichte.
Ich denke an Gespräche. An Wege im Wald. An stille Momente – und an solche, in denen viel los war.
Es war das erste Jahr der NaturRanger Solothurn. Ein Pilotjahr. Ein Start.
Und ehrlich gesagt: auch ein Jahr des Lernens.
Ab August waren wir regelmässig draussen unterwegs. Nicht jeden Tag, nicht überall – aber bewusst dort, wo sich zeigt, wie stark unsere Wälder genutzt werden. Verenaschlucht, Martinsfluh, Stadtwald, Weiher, Chalchgraben. Orte, die viele kennen. Und die trotzdem jedes Mal wieder anders wirken.
Manchmal war es ruhig. Ein Mittwochmorgen, ein paar Spaziergänger, Nebel zwischen den Bäumen.
Manchmal war viel los. Gruppen, Fragen, Kinder, Hunde, Feuerstellenreste.
Und fast immer: Gespräche.

Gespräche mit einer Schulklasse
Viele Begegnungen begannen ganz unspektakulär.
„Wo geht’s da hoch?“
„Was machen Sie da eigentlich?“
„Gibt es hier einen Rundweg?“
Aus solchen Fragen entstanden oft längere Gespräche. Über Regeln. Über Rücksicht. Über Tiere, Pflanzen – oder einfach darüber, warum jemand gerne hier draussen ist.
Und immer wieder kam dieser Satz:
„Gut gibt es euch.“
Das hat mich berührt. Nicht, weil alles perfekt lief. Sondern weil es zeigte: Präsenz macht etwas.
Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Sondern durch Dasein.
Natürlich gab es auch anderes. Illegale Feuerstellen, Bauten, Spuren von Nutzung, die dem Ort nicht guttun. Dinge, die man nicht ignorieren kann. Aber auch hier habe ich gemerkt:
Ein Gespräch wirkt oft mehr als jede Tafel. Viele Menschen passen ihr Verhalten sofort an, wenn man erklärt, warum etwas problematisch ist.

Illegaler Waldplatz (Biberist, November 2025)

Ilegale Entsorgung (Riedholz, Oktober 2025)
Besonders herausfordernd waren die Bereiche, in denen unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen. Zum Beispiel dort, wo Biker kreativ wurden – manchmal zu kreativ.
Gerade dort wurde mir klar, wie wichtig der Dialog ist. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Gemeinsam hinschauen, erklären, Lösungen suchen.
Das braucht Zeit. Aber es lohnt sich.
Was mir in diesem Jahr besonders geblieben ist, sind die stillen Momente dazwischen.
Ein früher Morgen im Wald.
Ein kurzer Blick auf einen Wildwechsel.
Oder einfach das Gefühl, am richtigen Ort zu sein – draussen, mitten im Geschehen.

Dolinen mit frischem Schnee (Weissenstein, November 2025)
Gleichzeitig war dieses Jahr auch geprägt von Aufbauarbeit. Strukturen schaffen, Abläufe finden, Vertrauen aufbauen. Nicht alles ist schon fertig. Und das muss es auch nicht.
Ein Pilotjahr darf genau das sein: ausprobieren, beobachten, lernen.
Was ich aber sicher sagen kann: Der Ansatz stimmt.
Die Idee, präsent zu sein, zuzuhören, zu erklären – sie trägt.
Und sie wird getragen: vom Forstbetrieb der Bürgergemeinde Solothurn, von Partnern, von Menschen draussen im Wald.
Mit diesem Gefühl gehe ich ins nächste Jahr.
Mit Respekt vor der Aufgabe.
Mit Freude auf weitere Begegnungen.
Und mit der Überzeugung, dass Rangerarbeit dann am besten wirkt, wenn sie menschlich bleibt.
Danke an alle, die dieses erste Jahr möglich gemacht haben – draussen und im Hintergrund.
Wir bleiben unterwegs.

Abendstimmung (Fallerenboden, Dezember 2025)