Herzraum Aare – ein Abend, der zeigt, wie nahe den Menschen ihre Aare geht
Wer an diesem Mittwochabend ins Alte Spital in Solothurn kam, merkte schnell: Hier geht es um mehr als nur eine Planung.
Die Informations- und Mitwirkungsveranstaltung zum Projekt Herzraum Aare war deutlich besser besucht als erwartet. Bei vergleichbaren Anlässen sitzen oft zehn bis zwanzig Personen im Saal. Dieses Mal waren es über sechzig bis siebzig Menschen. Es musste sogar zusätzlich bestuhlt werden.
Schon dieser Moment zeigte etwas Wichtiges:
Die Aare bewegt die Menschen in der Region.
Als Ranger erlebt man das täglich draussen im Gebiet. Aber an diesem Abend wurde es auch im Saal spürbar.
Warum das Projekt Herzraum Aare überhaupt entstanden ist
Durch den Abend führte Sascha Peter vom Amt für Raumplanung. Immer wieder betonte er, wie erfreulich es sei, dass so viele Menschen gekommen sind. Denn ein Projekt dieser Grössenordnung funktioniert nur, wenn die Bevölkerung mitdenkt.
Der Hintergrund für das Projekt ist vielschichtig. Einerseits verändert sich die Region stark. Seit der Umstrukturierung des Attisholz-Areals im Jahr 2007 hat sich entlang der Aare eine neue Dynamik entwickelt.
Attisholz-Areal 1960 I attisholz-areal.ch
Gebiete, die früher eher als «Rückseite» wahrgenommen wurden, entwickeln sich zunehmend zu einem Schaufenster der Region.
Gleichzeitig nimmt der Nutzungsdruck spürbar zu.
Wer an einem schönen Wochenende entlang der Aare unterwegs ist, kennt das Bild: Spaziergängerinnen und Spaziergänger, Böötler, Stand-Up-Paddler, Velofahrende, Badende, Angler, Menschen mit Hunden oder Familien beim Bräteln.
Die Liste der Aktivitäten wird immer länger. Neue Trends im Sport, neue Mobilitätsformen und das wachsende Bedürfnis nach Naherholung führen dazu, dass immer mehr Menschen denselben Raum nutzen.
Und genau hier beginnt die Herausforderung.
Ein politischer Entscheid als Startpunkt
Ein wichtiger Auslöser für die Planung war eine politische Diskussion aus dem Jahr 2021, unter anderem rund um das Stand-Up-Paddeln auf der Aare. Daraus entstanden mehrere politische Vorstösse.
Screenshot Solothurner Zeitung I 17.09.2020
Am Ende stand der Entscheid:
Der Aareraum soll gesamthaft betrachtet werden.
Nicht nur punktuell, sondern über mehrere Gemeinden hinweg.
Das ist tatsächlich aussergewöhnlich. Sechs Gemeinden arbeiten gemeinsam an dieser Planung. Grundlage sind unter anderem bestehende Schutzgebiete, Infrastrukturen entlang der Aare und historische Eingriffe wie die Juragewässerkorrektion.
Drei Räume – drei Funktionen
Im Zentrum des Projekts steht ein Nutzungskonzept mit drei sogenannten Fokusräumen:
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Fokusraum Nutzung – Orte mit intensiver Freizeitnutzung
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Fokusraum Nebeneinander – Räume, in denen verschiedene Nutzungen koordiniert stattfinden
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Fokusraum Natur – besonders sensible Bereiche mit Schwerpunkt auf Natur- und Vogelschutz
Ziel ist nicht, Menschen aus dem Aareraum zu verdrängen, sondern Nutzung und Natur besser zu koordinieren.
Screenshot ARP Präsentation
Diskussionen über Stege, Strände und Besucherströme
Nach der Präsentation folgten Wortmeldungen aus den Gemeinden. Sandra Morstein, Gemeindepräsidentin von Riedholz, sowie Patrick Marti, Gemeindepräsident von Zuchwil, betonten beide, dass es richtig sei, den Aareraum aktiv zu gestalten.
Ein Projekt dieser Grössenordnung bringt jedoch automatisch auch Diskussionen mit sich.
Ein besonders intensiv diskutierter Punkt war der geplante Emmenschachensteg.
Screenshot ARP Präsentation
Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Eine attraktive Fusswegverbindung Richtung Attisholz soll entstehen und gleichzeitig Besucherströme lenken, um sensible Auengebiete zu entlasten.
Im Publikum gab es jedoch zahlreiche kritische Stimmen. Einige bezweifelten, dass ein Steg ausschliesslich für Fussgänger funktionieren würde. Viele gehen davon aus, dass Velofahrende ihn trotzdem nutzen würden.
Solche Diskussionen zeigen gut, wie komplex die Planung eines stark genutzten Naturraums sein kann.
Auch andere Orte wurden angesprochen – etwa die Idee einer „Soleure Plage“, also eines stärker gestalteten Badebereichs an der Aare, oder die Situation beim Emmenspitz.
Die Aare endet nicht in Solothurn
Ein wichtiger Punkt kam ebenfalls aus dem Publikum:
Man dürfe den Aareraum nicht nur lokal betrachten.
Die Aare ist ein zusammenhängendes System. Wer sie versteht, muss auch weiter flussaufwärts und flussabwärts schauen – etwa Richtung Witi, Grenchen oder Altreu.
Gerade dort zeigt sich, wie stark Naherholungsräume genutzt werden können.
Ein Beispiel ist der Bettlachrank – eine grosse Aareschlaufe unterhalb von Bettlach, die seit Jahrzehnten ein beliebter Ort zum Baden, Bräteln und Spazieren ist.
Screenshot "Bettlerank" I geo.so.ch
Interessanterweise gibt es den Bettlachrank sogar zweimal.
Neben der Aareschlaufe existiert auch eine Haarnadelkurve auf der Grenchenbergstrasse mit demselben Namen. Diese Doppelbezeichnung führt immer wieder zu Verwechslungen – selbst bei Einsatzkräften. Wer eigentlich an die Aare gerufen wird, landet plötzlich im Jurahang.
Solche Anekdoten zeigen, wie stark sich Orte entlang der Aare im kollektiven Gedächtnis der Region verankert haben.
Die Ranger-Perspektive: Die Nutzer sind bereits da
Aus Ranger-Sicht zeigt sich bei solchen Diskussionen eine einfache Realität:
Die Nutzergruppen sind bereits da.
Spaziergänger, Velofahrende, Böötler, Badende, Hundehalter – sie alle nutzen den Aareraum heute schon. Und sie werden auch in Zukunft kommen.
Planung bedeutet deshalb nicht, Nutzung zu verhindern. Planung bedeutet, Nutzung zu lenken, damit Natur und Erholung langfristig nebeneinander bestehen können.
Gerade hier spielt Rangerarbeit eine wichtige Rolle. Viele Konflikte entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Unwissen. Menschen verstehen oft nicht, warum ein Kiesufer für Vögel wichtig ist oder weshalb Hunde im Wasser ein Problem sein können.
Durch Präsenz, Gespräch und Aufklärung lassen sich viele Situationen entschärfen.
Der Nutzungsdruck wird weiter steigen
Ein weiterer Aspekt wurde am Abend ebenfalls deutlich: Der Entwicklungsdruck entlang der Aare nimmt zu.
Mehrere grosse Projekte werden in den kommenden Jahren zusätzliche Menschen in die Region bringen.
Beispiele:
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Aarmatt – mehrere hundert neue Einwohner
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Steinbrugg – rund 50 bis 200 Einwohner
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Riverside – rund 1200 Einwohner
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Attisholz Nord – etwa 2200 Einwohner und 1200 Arbeitsplätze
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Biogen – rund 500 Arbeitsplätze
Bis 2045 wird die Bevölkerung in der Region deutlich wachsen.
Das bedeutet ganz konkret:
mehr Mittagspausen an der Aare
mehr Feierabendspaziergänge
mehr Hunde, die ausgeführt werden
mehr Sonntagsspaziergänge
mehr Menschen, die einfach kurz ans Wasser möchten
Der Aareraum wird also noch stärker zum Naherholungsraum der Region.
Screenshot ARP Präsentation
Mitwirken ist weiterhin möglich
Der Informationsabend war nur der Startpunkt.
Die Bevölkerung kann weiterhin Ideen, Hinweise oder Erfahrungen einbringen. Die Mitwirkungsplattform des Kantons ist bis 30. April 2026 geöffnet.
👉 mitwirken.so.ch/herzraumaare
Gerade Menschen, die regelmässig an der Aare unterwegs sind, können wertvolle Perspektiven beitragen.
Auch ich werde meine Inputs aus Ranger-Sicht in diesen Prozess einbringen.
Ein starkes Zeichen für die Aare
Der grosse Andrang an diesem Abend war vielleicht die wichtigste Botschaft.
Er zeigt, dass der Aareraum für viele Menschen mehr ist als nur ein Landschaftsabschnitt.
Er ist Begegnungsort, Naturraum und Rückzugsort zugleich.
Und genau deshalb lohnt es sich, gemeinsam darüber nachzudenken, wie dieser Raum in Zukunft aussehen soll.
Daniel Lopez / (mit KI optimiert)
Attisholz-Areal 1960 I attisholz-areal.ch
Screenshot Solothurner Zeitung I 17.09.2020
Screenshot ARP Präsentation
Screenshot "Bettlerank" I geo.so.ch
Screenshot ARP Präsentation