Wer in diesen Tagen draussen unterwegs ist, merkt es sofort: Der Wald ist trocken. Nicht nur ein bisschen. Richtig trocken.
Als Ranger und Forstleute sieht man das nicht erst auf der Karte. Man sieht es an den Bäumen. An den hängenden Blättern. An den Kronen, die nicht mehr satt wirken. An den trockenen Wegrändern, am Laub, am dürren Gras, am Boden, der knirscht statt federt. Zuerst waren vor allem die kalkigen und felsigen Standorte am Anschlag. Jetzt zeigt sich der Trockenstress auch auf Moränenböden und lehmigeren Standorten in unseren Revieren 1, 2 und 3.
Buchenblatt mit deutlichen Stresssymptomen - 30. Juni 2026
Nach Wochen mit Hitze und wenig Regen hat nun auch der Kanton Solothurn reagiert: Seit dem 3. Juli 2026 gilt Waldbrandgefahr Stufe 4 – gross. Damit ist im ganzen Kanton Feuer machen im Wald, in Waldesnähe sowie an Fluss- und Seeufern verboten. Das gilt ausdrücklich auch für Grillstellen. Auch Feuerwerk ist grundsätzlich verboten.
Solothurn steht damit nicht allein da. Die umliegenden Kantone haben bereits in den letzten Tagen reagiert: Im Aargau gilt seit dem 24. Juni ein Feuerverbot im Wald und bis 50 Meter zum Waldrand, auch bei bestehenden Feuerstellen. Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben wegen Waldbrandgefahr Stufe 4 ebenfalls ein absolutes Feuerverbot im Wald und an Waldrändern erlassen.
Die Wetterzahlen passen leider zum Bild im Wald. MeteoSchweiz meldete für Juni 2026 schweizweit eine Temperaturabweichung von +3.5 °C gegenüber der Referenz 1991–2020. Beim Niederschlag lag der Juni vielerorts deutlich unter dem Normalwert; zwischen dem 1. April und 28. Juni fielen im nationalen Mittel nur 185 mm statt rund 362 mm. Das ist ein Defizit von über 170 mm.
Juni 2026: Mitteltemperaturen (links, rot > 0 °C / blau < 0 °C) und Abweichung zur Referenz 1991-2020 (rechts, rot = wärmer / blau = kälter). Quelle: MeteoSchweiz
Und bei uns? Unsere Erholungslandschaft ist intensiv genutzt: Waldplätze, Bänke, Brücken, Unterstände, Spielgeräte, Themenwege, pädagogische Einrichtungen und viele Brätlistellen gehören zum Alltag im Wald. Das Inventar der Erholungseinrichtungen zeigt genau diese Vielfalt – und eben auch viele Feuerstellen, Bänke, Unterstände und pädagogische Standorte.
Gerade deshalb braucht es jetzt klare Worte:
Die Feuerstelle bleibt kalt. Auch wenn ein Rost da ist. Auch wenn Holz bereitliegt. Auch wenn man nur schnell eine Wurst bräteln möchte.
Wir NaturRanger sind draussen unterwegs, reden mit den Leuten, erklären die Lage und schauen hin. Nicht mit dem Mahnfinger, sondern mit gesundem Menschenverstand. Ein Funke reicht. Eine Zigarette reicht. Ein bisschen Wind reicht. Und plötzlich brennt nicht nur ein Asthaufen, sondern ein ganzer Hang.
Darum unser Appell:
Geht raus. Geniesst den Wald. Sucht Schatten. Beobachtet Tiere. Trinkt genug. Nehmt euren Abfall wieder mit.
Aber macht kein Feuer.
Unser Wald gibt uns unglaublich viel. Jetzt braucht er von uns vor allem eines: Rücksicht.
Gezeichnet von der Trockenheit: Dem Weihermattweiher fehlt das Wasser. 03. Juli 2026
Buchenblatt mit deutlichen Stresssymptomen - 30. Juni 2026
Juni 2026: Mitteltemperaturen (links, rot > 0 °C / blau < 0 °C) und Abweichung zur Referenz 1991-2020 (rechts, rot = wärmer / blau = kälter). Quelle: MeteoSchweiz
Gezeichnet von der Trockenheit: Dem Weihermattweiher fehlt das Wasser. 03. Juli 2026