Junior Ranger UNESCO Bettlachstock – Wildbienen: kleine Tiere, grosse Vielfalt

25. Sep. 2026 | Daniel Lopez, Junior Ranger

Am Mittwoch, 23. September 2026, traf sich unsere neue Junior-Ranger-Gruppe 2 wieder bei der Naturstation Brüelwald in Selzach.

Dieses Mal führte uns der Nachmittag zu Fuss nach Altreu ins Infozentrum Witi. Dort wartete die Sonderausstellung «Wildbienen» auf uns – und mit ihr Claude Salafia, der diese Ausstellung gestaltet hat und seine Faszination für Wildbienen mit den Kindern teilte.

Schon der Weg nach Altreu gehörte zum Programm. Die Kinder bekamen den Auftrag, unterwegs mit einem «Wildbienen-Blick» zu schauen: Wo blüht noch etwas? Wo gibt es offene Bodenstellen? Wo finden Tiere kleine Verstecke? Und wo wäre es für eine Wildbiene eher schwierig?

So wurde aus dem Fussweg bereits der erste Teil der Entdeckungsreise.


Hanspi erklärt die Renaturierung des Lochbaches.

Im Infozentrum angekommen gab es zuerst eine kurze Pause. Danach übernahm Claude. Und man merkte schnell: Hier spricht jemand nicht einfach über ein Thema, sondern über eine echte Leidenschaft.

Claude erzählte den Kindern, dass seine Faszination für Wildbienen im Jahr 2013 begann. Damals baute er sein Haus in Subingen um und gestaltete den Garten bewusst naturnah. Nicht «aufgeräumt», wie er sagte. Genau dieses Wort blieb bei den Kindern hängen.

Denn für Wildbienen ist ein Garten nicht dann spannend, wenn alles sauber abgeschnitten, leergeräumt und perfekt geordnet ist. Spannend wird er dann, wenn es Blüten gibt, offene Bodenstellen, Totholz, Pflanzenstängel, Steine, wilde Ecken und kleine Strukturen.


Claude im Gespräch mit den Kindern

Zuerst ging es um eine einfache Frage: Was ist eigentlich eine Art? Und was ist eine Familie?

Von dort führte Claude die Kinder zur Honigbiene. Die kennen viele: Sie lebt in einem grossen Volk, mit einer Königin und vielen Arbeiterinnen. Sie wird von Imkerinnen und Imkern betreut und ist für uns Menschen fast ein Haustier oder Nutztier.

Wildbienen dagegen leben oft ganz anders. Viele Arten sind allein unterwegs. Sie müssen selbst einen passenden Nistplatz finden, selbst Nahrung sammeln und selbst dafür sorgen, dass ihre Nachkommen eine Chance haben.


Kinder vor der Ausstellung / Bilderwand

Besonders hängen geblieben ist eine Zahl: 617.

So viele Wildbienenarten erklärte Claude den Kindern. Und damit man sich diese Zahl merken kann, gab es eine Eselsbrücke: «six-seven» – und dazwischen einfach eine 1. Die Kinder fanden das grossartig. Manchmal braucht es genau solche kleinen Bilder, damit Wissen hängen bleibt.

Auch die Hummeln sorgten für Staunen. Rund 40 Hummelarten gibt es in der Schweiz. Und ja: Hummeln gehören ebenfalls zu den Wildbienen.


Ausstellungstafel Wildbienen

Die Ausstellung ist nicht einfach nach Namen aufgebaut, sondern nach Lebensräumen und Nistweisen. Das machte es für die Kinder sehr anschaulich.

Viele Wildbienen nisten im Boden. Andere nutzen vorhandene Hohlräume, zum Beispiel kleine Löcher, Ritzen oder alte Käfergänge. Wieder andere brauchen Totholz, markhaltige Pflanzenstängel oder bauen besondere Freibauten.

So wurde plötzlich klar: Eine Wildbiene braucht nicht einfach «ein Bienenhotel». Sie braucht genau das, was zu ihrer Art passt.

Auch über das Stechen wurde gesprochen. Viele Kinder verbinden Bienen zuerst mit Angst vor einem Stich. Claude erklärte aber, dass Wildbienen grundsätzlich sehr friedlich sind, solange man sie in Ruhe lässt.

Besonders lustig war die Erklärung zu den Hummeln. Wenn sie gestört werden, können sie zuerst ein Bein heben – fast wie ein kleines High-Five. Wenn das nicht reicht, brummen sie lauter, machen vielleicht einen Scheinangriff und würden erst ganz am Schluss stechen.

Diese Hummel-Geschichte werden einige Kinder wohl nicht so schnell vergessen.


Kinder hören Claude zu

Spannend wurde es auch beim Unterschied zwischen Weibchen und Männchen. Bei vielen Wildbienen kann man das unter anderem an den Fühlern erkennen: Männchen haben meist 13 Glieder, Weibchen 12. Für uns Menschen ist das fast Mikroskop-Arbeit – aber für Fachleute ein wichtiges Merkmal.

Danach ging es noch weiter zurück in die Vergangenheit. Claude erzählte, dass zuerst die Wespen da waren und sich später daraus die Bienen entwickelten. Einfach gesagt: Bienen wurden zur «vegetarischen Linie». Sie versorgen ihren Nachwuchs mit Pollen und Nektar, während viele Wespen ihre Larven mit tierischer Nahrung füttern.

Ein besonders schönes Beispiel waren die Spezialistinnen unter den Wildbienen. Manche Arten sind auf ganz bestimmte Pflanzen angewiesen. Fehlt diese Pflanze, fehlt auch der Biene die Lebensgrundlage.

Claude erzählte unter anderem von einer Wildbiene, die eng mit dem Efeu verbunden ist. Sie fliegt spät im Jahr. Lange wurde solchen spät fliegenden Arten weniger Beachtung geschenkt – vielleicht auch, weil viele Beobachtungen früher im Frühling und Sommer abgeschlossen waren.

Für die Kinder war das ein wichtiger Gedanke: Natur ist nicht nur im Frühling spannend. Auch im Herbst passiert noch sehr viel.

Zum Schluss machten die Kinder noch ein kleines Quiz zur Ausstellung. Dabei wurde nochmals sichtbar, wie viel hängen geblieben ist: die 617 Arten, die Hummeln, die unterschiedlichen Nistplätze, der «nicht aufgeräumte» Garten und die Frage, was Wildbienen wirklich brauchen.

Danach machten wir uns wieder auf den Rückweg zur Naturstation Brüelwald.


Plantschen auf dem Lochbach

Im Abschlusskreis lautete die Frage: Was erzählst du zuhause über Wildbienen?

Und genau darum geht es bei den Junior Rangern. Nicht darum, möglichst viele Fachbegriffe mitzunehmen. Sondern darum, draussen und mit echten Menschen zu erleben, dass auch kleine Tiere eine grosse Geschichte erzählen können.

Danke Claude für diesen spannenden, persönlichen und eindrücklichen Nachmittag.

Entdecken. Verstehen. Schützen.